In welcher Stadt Goethe und Schiller starben, hat sich herumgesprochen, wo aber liefen sich die beiden Geistesriesen erstmals über den Weg? In Rudolstadt. Dass Friedrich Schiller in Marbach geboren wurde, wissen nicht nur Schwaben, aber wo erblickte seine bessere Hälfte, Charlotte von Lengefeld, das Licht der Welt? In Rudolstadt. Und dass Friedrich Schiller, obwohl kein Don Juan, sich zwischen Charlotte und ihrer Schwester Caroline zunächst nicht entscheiden konnte, ist kein Geheimnis mehr. Wo aber fand die verzwickte und aufregende Menage a trois statt? In Rudolstadt.

Das Beulwitzsche Haus in der heutigen Schillerstrasse ist in der Tat etwas ganz Besonderes. Um 1720 erbaut, gehörte es seit 1774 Hofrat Friedrich Wilhelm Ludwig von Beulwitz, dem Ehemann von Caroline von Lengefeld, der späteren Schwägerin Friedrich Schillers. Der Kreis derer, die sich dort, Ende des 18. Jahrhunderts zu geselligen Abenden im Salon trafen, ist ausgewählt: Johann Gottfried Herder, Frau von Stein, die Brüder Humboldt, Johann Gottlieb Fichte, Carl Ludwig von Knebel, sowie eben Goethe und Friedrich Schiller, die sich hier im September 1788 trafen - eine für die Weltkunst so folgenreiche Begegnung. Aber es waren die beiden jungen Frauen, die für ihn jenen Sommer 1788 unvergesslich machen sollten, Caroline von Beulwitz und Charlotte von Lengefeld. Ihre leidenschaftliche Beziehung, ihre Gespräche, die gemeinsame Lektüre im Garten des Hauses oder die literarischen Projekte, mit denen sich Friedrich Schiller in dieser Zeit beschäftigte, umschrieb er mit den Worten: „Es ist hier eine herrliche Gegend und im Beulwitzschen und Lengefeldschen Hause habe ich mich überaus wohl." (Schiller an Gottlieb Hufeland 20.08.1788)